Pfadfinder gehen in den Untergrund

Zu Beginn ein frühsommerlicher letzter Blick auf die liebliche Bepflanzung des Esperantoparks und dann das:

Durch einen – wie uns nachher klar wurde – Luxuseinstieg in Form einer Wendeltreppe drangen wir in das Wiener Kanalnetz ein. Empfindliche Nasen sagen: die Sache stinkt zum Himmel!

Nachdenkliche Mitmenschen macht es dankbar für ihren Job: die Einstiege – es gibt in Wien insgesamt über 45.000 - sind zumeist nur 60x60 cm groß, viele Gänge nur 1,05m hoch und jeder Zentimeter muss mindestens einmal in Jahr gereinigt werden, damit das Kanalsystem funktioniert. Bei den niedrigen Querschnitten ist das nur in mühevoller Handarbeit mit Schubern und Petzl Stirnlampen möglich, in den größeren Gängen kommen Maschinen und Hochdruckwasserstrahl zum Einsatz. Aber viele Tonnen werden auch händisch in Kübel geschaufelt, um dann in Simmering von Erich und seinen Freunden zu Wärme verbrannt zu werden. Natürlich wurde auch das Berühmteste, das der Wiener Abwasserkanal zu bieten hat, gezeigt: eben jene Stelle, an der ein Großteil der Szenen für den „Dritten Mann“ gedreht wurden. Nach Live-Besichtung des Ottakringer Kanals war auch allen klar, wo das dunkele Bier herkommt.
Wieder über der Erde war dann nach ausführlicher Desinfektion jeder froh, wieder so richtig durchatmen zu können. Eventuell schlechter Geschmack im Mund wurde dann in der 1516 Brewing Company erfolgreich übertüncht. Aber so ein Kanalbesuch mit zugehörigem Geruch und nachgelagertem Bier scheint auch die Phantasie anzuregen: Wie sonst käme man auf die Idee einer Wellnessoase auf einem Pfadfinderlager? Aber mehr davon demnächst, so stay tuned.